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Die Beichte - Eine dunkle Geschichte


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John Cornwell:
Die Beichte - Eine dunkle Geschichte
9-6130-6
Buch
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Artikelbeschreibung:
John Cornwell, selbst Katholik, zeigt auf Grundlage eigener Erfahrungen und vieler konkreter Beispiele, wie sehr die Beichte zum Repressionsinstrument geworden ist.

Eigenschaften:
(R) 320 S., 13 x 22 cm, geb. (o. A.)

geb.= fester Einband, R = Restauflage (frühere Preisbindung aufgehoben, Vorauflage möglich), M = Bücher mit leichten Lagerschäden, SA = Sonderausgabe (Ausstattung einfacher, evtl. Vergleichspreis nennt die geb. Ausgabe), Tb. = Taschenbuchausgabe (evtl. Vergleichspreis nennt geb. Ausgabe)

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Zusatzinfo zu: Die Beichte - Eine dunkle Geschichte
Beschreibung
Als Papst Pius X. im Jahr 1905 das Mindestalter für die Beichte auf sieben Jahre herabsetzte, begann ein großes Menschenexperiment: Kinder wurden seitdem systematisch in Scham und Schrecken gehalten. Die Furcht vor Sünde, Fegefeuer und ewiger Verdammnis schuf bei Generationen von Gläubigen ein Lebensgefühl der Angst. Es war kein Zufall, dass manche dieser Sünden Formen von Ungehorsam gegenüber den kirchlichen Autoritäten umfassten. Vor allem aber hat die Beichte das Verhältnis vieler Gläubiger und katholischer Amtsträger zur Sexualität nachhaltig geprägt. Die Folgen sind bis heute spürbar - in einer Epoche von Säkularisierung und sexueller Befreiung haben gerade der Freiraum der Beichte und das Konzept der Sünde dem Missbrauch von Kindern Vorschub geleistet. John Cornwell, selbst Katholik und einer der führenden Vatikanexperten, zeigt auf der Grundlage eigener Erfahrungen und vieler konkreter Beispiele, wie sehr die Beichte zum Repressionsinstrument geworden ist - und warum sie offiziell wieder mehr in den Mittelpunkt des Glaubens rücken soll. Ein sehr persönliches, leidenschaftliches Buch - und ein dunkles Kapitel abendländischer Kulturgeschichte.

Autorenporträt
John Cornwell, geboren 1940, ist Fellow am Jesus College in Cambridge und forscht am dortigen "Centre for Advanced Religious and Theological Studies".

Leseprobe
Erster Teil Eine kurze Geschichte der Beichte Erstes Kapitel Frühe Büßer und ihre Bußen "Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde!" Psalm 51,4 Am sogenannten Aschermittwoch tragen Christen in aller Welt ein dunkles kreuzförmiges Zeichen auf der Stirn, das den Beginn der Fasten- oder "österlichen Bußzeit" markiert als ein Relikt aus der fernen Ursprungszeit des Beichtsakraments. Dieses Kreuz, bestehend aus der Asche von Palmzweigen vermischt mit Olivenöl, empfangen die Pönitenten am Morgen des Tages von einem Priester, der dazu die Formel spricht: "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst!" Allerdings geht der Brauch, das Haupt von Büßern mit Asche zu zeichnen, auf noch ältere jüdische und christliche Versöhnungsriten für Sünder zurück. Mit der Schuld der individuellen wie kollektiven befassten sich bereits eingehend die hebräischen Propheten und Dichter. "Meine Sünde", schrieb der Psalmist, "steht mir immer vor Augen" (51,5). Der Trank des Sünders sei "bitter von Tränen", sein Brot "Asche in seinem Mund". Einen Vorläufer hat die rituelle Reue im jüdischen Jom Kippur, dem Versöhnungstag, an dem einen Tag und eine Nacht lang gefastet wird. Dieser Brauch, der sich über Jahrhunderte entwickelt hat, diente ursprünglich dazu, Missgeschicke und fehlerhafte Rituale bei Tempelopfern wiedergutzumachen. Im Buch Hiob steht zu lesen, dass die Niniviten, um Gottes Zorn abzuwenden, Sack und Asche trugen, fasteten und beteten. Mit der Zeit diente der Jom Kippur, wie er nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels (70 n. Chr.) weithin in Synagogen praktiziert wurde, auch zur Aussöhnung mit denen, die Unrecht erleiden mussten, und um Gott Reue zu bezeigen, wenn man sich gegen ihn vergangen hatte. Nach jüdischer Überlieferung mussten Sünden gegen Gott nur von Gott und Sünden gegen den Nächsten von ihm und von Gott verziehen werden. Den Weisen zufolge bewirkte Buße eine Befreiung von Schuld und eine Reinigung, durch die sich Männer und Frauen Gott wieder annäherten die zentrale Bedeutung der Versöhnung.[i] In seinem Wirken brachte Jesus als Prophet eine reinere Tradition zum Ausdruck, in der anstatt des äußerlichen Rituals eine Umkehr des Herzens verlangt wurde. So sagte er über die "Sünderin" Maria Magdalena: "Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat." (Lk 7,47) Kritiker, die daran zweifeln, dass das katholische Bußsakrament biblischen Ursprungs sei, berufen sich dabei auf die Geschichten von der Ehebrecherin, vom verlorenen Sohn, vom guten Schächer und von der Vergebung Petri für seine Verleugnung Christi, Erzählungen, die belegen, dass Vergebung auch ohne außenstehenden Mittler, Priester oder Beichtvater möglich sei. Jakobus und Johannes verkündeten, es sei für Christen notwendig, sich ihre Sünden gegenseitig zu beichten.[ii] Als wichtigster Ritus, um Menschen von der Sünde loszusprechen, diente in der Urkirche die Taufe, die bekehrten Erwachsenen zuteilwurde als Vergebung der Erbsünde Adams und Evas. Mit dem Taufwasser wurde die Entsühnung, die Jesus mit seinem Opfertod am Kreuz einst für die ganze Menschheit erreicht hatte, nun auch für den Einzelnen vollzogen. Dabei wurden den Katechumenen, den Taufbewerbern, hohe Hürden gesetzt: Ihrer Taufe voran ging eine lange Zeit der Gebete und der Enthaltsamkeit. Dabei mussten sie sich sogar von offiziellen Exorzisten ihre Dämonen austreiben lassen. Als sich mit wachsender Stärke und Verbreitung der Urkirche auch die Verfehlungen unter den Gläubigen mehrten, bildeten sich Rituale zur Versöhnung als einmaliges Ereignis heraus. In der Frühzeit des Christentums konnten Glaubensbrüder, die wegen schwerer Sünden aus der Gemeinde ausgeschlossen worden waren, erst wieder eintreten, wenn sie eine Reihe schmerzlicher öffentlicher Zeremonien über sich hatten ergehen lassen. Da Christen als gefährdete Minderheit häufig um ihre Existenz, ja um ihr Leben

Rezension
"Provokant wird Cornwells Studie zur Geschichte und zur Gegenwart dadurch, dass er Papst Pius X. und sein Dekret "Quam singulari" in den Mittelpunkt seiner Abhandlung stellt. In ihm bestimmte Pius X. 1910, dass jeder Katholik von nun an einmal in der Woche, statt wie früher einmal im Jahr, zur Beichte gehen müsse. Und noch viel dramatischer: Pius X. führte damit die Kinderbeichte und die Erstkommunion für die erst Siebenjährigen ein. Zu Recht spricht Cornwell von einem "der gewagtesten Experimente an Kindern, die je im Namen des Christentums verordnet wurden".", taz, Brigitte Werneburg, 05.02.2014



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